PolitikEigenbeitrag

Milanović: „Wir beteiligen uns nicht an Kriegsschauplätzen – und werden es auch nicht tun“

Von Kroatien News Redaktion·18. September 2026 um 18:04

Der kroatische Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Zoran Milanović, hat am Freitag in Split eine klare Position zur militärischen Rolle Kroatiens formuliert. Bei den Feierlichkeiten zum Tag der kroatischen Marine und zum 35. Jahrestag ihrer Gründung sprach er sich zugleich für eine stärkere eigene Verteidigungsfähigkeit und für eine Modernisierung der kroatischen Marine aus.

Besonders deutlich äußerte sich Milanović zur Beteiligung Kroatiens an internationalen Kriegsschauplätzen. Mit Blick auf die aktuellen Konflikte erklärte er: „An den Kriegsschauplätzen nehmen wir zum Glück nicht teil – und wir werden, verdammt noch mal, auch nicht teilnehmen.“

Kroatien soll wieder Kriegsschiffe bauen

Ein zentraler Punkt seiner Rede war die Zukunft der kroatischen Schiffbauindustrie.

Milanović betonte die besondere Bedeutung des Meeres für Kroatien. Das Land verfüge trotz seiner Größe über eine außergewöhnlich lange Adriaküste und eine jahrhundertealte maritime Tradition. Deshalb müsse Kroatien auch die Fähigkeit bewahren, eigene Schiffe für seine Streitkräfte zu bauen.

„Kroatien muss endlich auch Kriegsschiffe bauen“, erklärte der Präsident sinngemäß.

Dabei gehe es nicht allein um militärische Ausrüstung. Der Erhalt des Schiffbaus bedeute auch, Fachwissen, Arbeitsplätze und industrielle Fähigkeiten im eigenen Land zu bewahren.

Kritik an der langsamen Umsetzung

Gleichzeitig übte Milanović deutliche Kritik am bisherigen Tempo bei der Modernisierung der kroatischen Marine.

Als Beispiel nannte er die Küstenpatrouillenboote. Den Bau des Schiffes „Omiš“ habe er bereits 2015 verfolgt. Das Boot wurde 2016 zu Wasser gelassen und nahm schließlich 2019 den Dienst auf.

Von insgesamt fünf Küstenpatrouillenbooten, deren Bau in den Jahren 2014 und 2015 vereinbart worden war, seien bislang lediglich zwei gebaut und in Dienst gestellt worden.

Milanović bezeichnete das Ergebnis als äußerst unzureichend. Die in strategischen Dokumenten bereits festgelegten Vorhaben müssten seiner Ansicht nach endlich umgesetzt werden.

Er appellierte dabei auch an diejenigen, die über die entsprechenden finanziellen Mittel entscheiden. Die geplanten Projekte dürften nicht dauerhaft verschoben werden.

„Ein Schiff ist ein Botschafter“

Milanović unterstrich außerdem die Bedeutung von Kriegsschiffen über ihre militärische Funktion hinaus.

Ein Schiff sei auch ein sichtbarer Vertreter des Staates. Es verbringe einen großen Teil des Jahres auf See und repräsentiere Kroatien damit auch gegenüber anderen Ländern.

„Ein Schiff ist ein Botschafter“, sagte Milanović.

Die Entwicklung der Marine müsse deshalb nach seiner Vorstellung systematisch erfolgen. Statt einzelne Vorhaben über Jahre hinweg hinauszuzögern, müsse ein vollständiger und langfristiger Plan umgesetzt werden.

Keine Beteiligung an Kriegsschauplätzen

In seiner Rede stellte Milanović die Modernisierung der kroatischen Streitkräfte ausdrücklich nicht mit einer direkten Beteiligung an ausländischen Konflikten gleich.

Kroatien müsse in der Lage sein, seine eigenen Interessen und sein eigenes Staatsgebiet zu schützen. Gleichzeitig lehnt Milanović nach seiner aktuellen Aussage eine Beteiligung kroatischer Soldaten an ausländischen Kriegsschauplätzen ab.

Seine Formulierung dazu war ungewöhnlich deutlich:

„An den Kriegsschauplätzen nehmen wir zum Glück nicht teil – und wir werden, verdammt noch mal, auch nicht teilnehmen.“

Damit verband der Präsident die Forderung nach einer stärkeren nationalen Verteidigungsfähigkeit mit einer zurückhaltenden Position gegenüber militärischen Einsätzen außerhalb Kroatiens.

Marinechef fordert zwei Korvetten

Auch der Kommandeur der kroatischen Marine, Konteradmiral Damir Dojkić, forderte bei der Feier eine beschleunigte Modernisierung.

Zu den wichtigsten Vorhaben zählen nach seinen Angaben die Beschaffung von zwei Korvetten, eines neuen Anti-Schiffs-Raketen- und Radarsystems sowie die Modernisierung und Anschaffung weiterer Schiffe.

Dojkić erklärte, die Marine verfüge über einen klaren Plan und ein konkretes Ziel. Die bereits angekündigten Projekte dürften jedoch nicht zu bloßen Absichtserklärungen werden.

Dafür müssten nun die notwendigen finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden.


35 Jahre kroatische Marine

Die Veranstaltung in Split stand zugleich im Zeichen des 35-jährigen Bestehens der modernen kroatischen Marine.

Der 18. September ist in Kroatien der Tag der kroatischen Marine. Das Datum erinnert an die Seeschlacht von 887 vor Makarska, bei der die Neretvaner eine venezianische Flotte besiegten.

Damit verbindet der heutige Gedenktag eine historische maritime Tradition mit den aktuellen Herausforderungen der kroatischen Verteidigungspolitik.

Eigene Stärke, aber keine ausländischen Kriegsschauplätze

Milanović stellte in seiner Rede damit zwei zentrale Punkte nebeneinander: Kroatien soll seine eigene Verteidigungsfähigkeit stärken und seine Marine modernisieren, gleichzeitig aber nicht direkt an ausländischen Kriegsschauplätzen teilnehmen.

Ob die angekündigten Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden, hängt von den politischen Entscheidungen und den dafür bereitgestellten finanziellen Mitteln ab.

Für die kroatische Marine stehen dabei mehrere konkrete Projekte im Raum – von neuen Patrouillenbooten über Korvetten bis hin zu modernen Raketen- und Radarsystemen.



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