Lokrum lässt die Badeordnung offen
Von Kroatien News Redaktion·04. September 2026 um 16:35

Auf der Insel vor Dubrovnik ist Naturismus weiterhin erlaubt. Zugleich soll der betreffende Küstenabschnitt ein öffentlicher Naturstrand für alle bleiben. Eine neue Beschilderung beendet damit den Streit um das FKK-Baden nicht – sie verschiebt ihn.
Dubrovnik – Es ist nur ein Schild, doch auf Lokrum erzählt es von einem größeren Streit. Die kleine Insel vor Dubrovnik ist seit Jahrzehnten ein beliebter Ort für Naturisten. Nun hat die Verwaltung des Naturschutzgebiets nach einer zwischenzeitlichen Entfernung der früheren FKK-Kennzeichnung eine neue Informationstafel aufgestellt. Ihre Botschaft ist bemerkenswert nüchtern: An dem betreffenden Küstenabschnitt ist naturistisches Baden weiterhin erlaubt.
Gleichzeitig soll dort ausdrücklich niemand aufgrund seiner Badebekleidung bevorzugt oder ausgeschlossen werden. Der Abschnitt wird von der Verwaltung als öffentlicher Naturstrand verstanden. Wer schwimmen möchte, kann dies demnach mit Badebekleidung oder ohne tun.
Damit ist eine Lösung gefunden worden, die zunächst pragmatisch klingt, rechtlich jedoch Fragen offenlässt.
Eine Tradition, aber kein exklusiver FKK-Strand
Die Besonderheit der neuen Regelung liegt in ihrer Wortwahl. Die Verwaltung erklärt gerade nicht, dass an dieser Stelle ein FKK-Strand mit besonderem rechtlichem Status eingerichtet worden sei. Vielmehr soll die Beschilderung lediglich darüber informieren, welche Form der Nutzung sich an diesem Ort über Jahrzehnte entwickelt hat.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Die jahrzehntelange Praxis des Naturismus soll fortbestehen, ohne dass daraus ein exklusiver Anspruch auf den Küstenabschnitt entsteht.
Die Inselverwaltung verweist dabei auf den Charakter Lokrums als geschütztes Naturgebiet. Die künftige Nutzung der Naturstrände soll genauer geregelt werden. Nach ihren Angaben wurde bereits im Frühjahr mit der Ausarbeitung eines Managementplans für das Meeresgebiet innerhalb des Schutzareals begonnen. Eine spätere Regelung der maritimen Ordnung soll festlegen, wie die von der Einrichtung verwalteten Naturstrände genutzt werden können.
Bis dahin bleibt die neue Tafel vor allem eines: eine Information an die Besucher.
Der Streit ist damit nicht beigelegt
Dass die Verwaltung den Naturismus weiterhin duldet beziehungsweise ausdrücklich zulässt, überzeugt nicht jeden. Der Dubrovniker Professor Igor Legaz, der zuvor die Entfernung der alten FKK-Kennzeichnung begrüßt hatte, kritisiert die nun gefundene Lösung.
Sein Einwand zielt weniger auf die Existenz des Naturismus als auf dessen rechtliche Einordnung. Legaz argumentiert, das kroatische Recht kenne keinen Strandtyp, bei dem ein allgemein zugänglicher Strand zugleich ausdrücklich für FKK-Baden ausgewiesen werde. Aus seiner Sicht reicht die bloße Information über eine bestehende Nutzung daher nicht aus, um die rechtlichen Fragen zu beantworten.
Damit treffen auf Lokrum zwei unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung aufeinander: Hier die Verwaltung, die eine seit Generationen bestehende Praxis möglichst konfliktarm fortführen will; dort die Forderung nach einer eindeutigen rechtlichen Grundlage.
Ein Konflikt zwischen Gewohnheit und Vorschrift
Lokrum steht damit vor einem Problem, das weit über die Frage hinausgeht, ob Badegäste einen Badeanzug tragen müssen. Die Insel ist zugleich Naturreservat, touristisches Ziel und öffentlicher Erholungsraum. Unterschiedliche Erwartungen treffen hier zwangsläufig aufeinander.
Für Naturisten ist der Küstenabschnitt ein traditionsreicher Ort. Für andere Besucher ist er schlicht ein öffentlicher Strand. Die Verwaltung versucht nun, beide Perspektiven miteinander zu vereinbaren, ohne eine Gruppe gegenüber der anderen rechtlich hervorzuheben.
Das erklärt auch die auffallend zurückhaltende Form der neuen Beschilderung. Sie schafft nach Darstellung der Verwaltung keinen abgeschlossenen FKK-Bereich, beschränkt den Zugang nicht und erklärt den Strand nicht zu einer Zone für eine bestimmte Nutzergruppe.
Die eigentliche Entscheidung steht noch aus
Die aktuelle Regelung könnte deshalb nur eine Zwischenlösung sein. Erst der angekündigte Managementplan und die spätere Ordnung für das Meeresgebiet dürften zeigen, wie die Nutzung der Naturstrände auf Lokrum dauerhaft geregelt werden soll.
Bis dahin bleibt der Küstenabschnitt ein ungewöhnlicher Kompromiss: Naturismus ist erlaubt, Badebekleidung ebenfalls. Niemand soll ausgeschlossen werden – und doch ist gerade diese Offenheit Gegenstand einer rechtlichen Debatte.
Für die Besucher bedeutet das vorerst vor allem eines: Die frühere FKK-Tradition ist auf Lokrum nicht verschwunden. Sie hat lediglich einen anderen rechtlichen und öffentlichen Rahmen bekommen.
Und möglicherweise beginnt der eigentliche Streit über diesen Rahmen erst jetzt.
Foto: Valamar



